Reisebus Müller
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Ein Kuchen, der aussieht wie ein Doppeldeckerbus — die Idee gefiel mir sofort. Als ich dann hörte, dass er im Maßstab 1:10 entstehen sollte, fing es an, in meinem Kopf zu rattern: Das bedeutete anderthalb Meter Länge. Bestellt hat ihn die Chefin des Omnibusbetriebs Müller aus Riedstadt zum 90. Firmenjubiläum. Außergewöhnlich und ein bisschen verrückt — genau das Richtige für mich.
So etwas macht man nicht aus dem Handgelenk. Ich habe mich zuerst auf der Seite des Herstellers eingelesen. Dort gab es viele Bilder und, zu meinem Glück, eine Skizze mit Maßen wie den Achsabständen; daraus konnte ich mir alle übrigen Maße herleiten. Dazu kamen Fotos des echten Busses aus dem Fuhrpark. Die Proportionen sollten so nah wie möglich ans Original kommen.
Meine Kalkulation ergab über 150 Kilogramm Kuchen — am Ende waren es 154. Bei diesem Gewicht entscheidet die Unterkonstruktion über alles: Sie muss stabil sein, lebensmittelecht und transportierbar. Gebaut hat sie mir jemand genau nach meinen Vorgaben, mit Griffen an den Ecken, sodass vier Leute die Torte tragen konnten wie eine Sänfte. Über den Transport habe ich nachgedacht, bevor ich über die Torte nachgedacht habe.
Gebacken wurde an drei Tagen, die Öfen liefen im Dauerbetrieb — der Kuchen sollte frisch sein. Zuerst die Sachertorte, die etwas durchziehen muss, danach der Vanille Pound Cake. Dann kam der Moment des Zusammenbaus: Stimmt die Rechnung, passt alles? Ganache, Eindecken und Dekor liefen danach wie bei jeder anderen Torte, nur eben in XXL.
Was wäre ein Reisebus ohne Reisegesellschaft? Die Figuren sind alle von Hand modelliert und so bunt gemischt wie im echten Leben, von den Kindern bis zu Oma und Opa. Jede erzählt ihre eigene kleine Geschichte: der Teddybär, den sein Besitzer fest an sich drückt, der Fotoapparat um den Hals eines Reisegastes. Zusammengesetzt wurde die Gesellschaft erst vor Ort auf der Feier. Um zwölf Uhr wurde angeschnitten — der Erlös des Kuchenverkaufs ging an die örtlichen Vereine.